Für eine gut ausgestattete, attraktive und schnelle Landespolizei Niedersachsen

Die Jungen Liberalen Niedersachsen sehen die Polizei als wichtiges Element der Daseinsvorsorge an. Unsere Polizei leistet jeden Tag gute Arbeit, damit wir in Sicherheit und Freiheit leben können. Daher ist es umso wichtiger, dass die Polizei, egal, ob in der Stadt oder in ländlichen Regionen, im Notfall schnell vor Ort ist. Für den Rettungsdienst und die Feuerwehr gibt es bereits eine Hilfsfrist. Bei der Polizei gibt es bisher keine zeitlichen Vorgaben. Damit die Landespolizei ihre Aufgaben effizient erfüllen kann, bedarf es bester Ausrüstung. Zudem müssen sich die Arbeitsbedingen bei der Polizei verbessern. In der Tat befindet sich die Landespolizei in Konkurrenz mit allen anderen Arbeitgebern. Es ist somit von höchster Wichtigkeit, dass die Landespolizei ein attraktiver Arbeitgeber bleibt. Die Jungen Liberalen Niedersachsen fordern:

  • Unseren Polizisten und Polizistinnen darf es an guter und persönlicher Schutzausrüstung nicht mangeln. Die hierfür vorgesehenen Gelder werden evaluiert und ggf. erhöht. Allerdings darf ,,dienstlich gestellt“ kein Synonym für ,,schlechte Qualität“ sein.
  • Streifenwagen gilt es zu digitalisieren, um ein besseres Einsatzmanagement zu garantieren, wodurch wertvolle Zeit gewonnen werden kann. Durch moderne Technologien kann der zeitliche Aufwand beim Protokollschreiben verringert werden. Die Polizei soll sich auf die wesentlichen Aufgaben konzentrieren können und sich nicht im bürokratischen Urwald verlieren.
  • Laut einer Anfrage der FDP-Fraktion an die Landesregierung beträgt der Investitionsbedarf in die Gebäudesanierung bei der Landespolizei in Niedersachsen rund 127 Millionen Euro (Stand 2019). Die JuLis sehen hier dringenden Handlungsbedarf. Der Respekt gegenüber unseren Beamten und Beamtinnen muss sich künftig auch an der Ausstattung und am Zustand der Gebäude ablesen können.
  • Die Jungen Liberalen sehen die Nachwuchsgewinnung für die Polizei als zentrale Aufgabe für die kommenden Legislaturperioden an. Allein 2025-2026 werden voraussichtlich 1639 Polizeibedienstete in Niedersachsen in den Ruhestand gehen. Wir erneuern unsere Forderung der Einstellung von mehr Personal bei der Polizei, insbesondere bei der Schutzpolizei. Streichungen von Planstellen und Einstellungsplätzen lehnen wir ab. Die aktuelle Marketingstrategie der Landesregierung zur Nachwuchsgewinnung soll überprüft und ggf. angepasst werden. Zudem soll die Polizei, sowie andere Sicherheitsorganisationen (THW, Feuerwehr, Bundeswehr…), öfter in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen intervenieren, um im Rahmen der Berufsbildung regelmäßig in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen von ihrer Arbeit zu berichten.
  • Die Beförderungsmöglichkeiten und Entwicklungsperspektiven sollen verbessert werden. Viele Polizistinnen und Polizisten müssen derzeit mindestens zwölf Jahre warten, bis sie zum ersten Mal befördert werden. Insbesondere persönliche Leistungen sollen stärker in den Fokus gerückt werden. Prämien, Sonderurlaube und Tapferkeitsabzeichen sollen im Polizeialltag an Wichtigkeit gewinnen, um besonders gutes, motiviertes Verhalten zu belohnen. Künftig soll es zudem mehr Fortbildungen für Polizisten und Polizistinnen geben. Zudem soll die Qualität und Häufigkeit der Fortbildungen evaluiert werden.
  • Auch das LKA muss im Umgang mit organisierter Kriminalität und Online-Kriminalität besser aufgellt werden. Eine bessere Vernetzung und Zusammenarbeit der Landeskriminalämter untereinander sowie mit dem BKA sind von zentraler Bedeutung.
  • Sport ist für unsere Polizeibeamten ein wichtiger Teil ihres Berufs. Dennoch bleibt auf Grund von Überstunden und langen Schicht hierfür nicht immer viel Zeit. Wir fordern daher, dass alle Polizeibeamten (außer Innendienst) pro Woche eine Stunde Sport als Dienstzeit aufschreiben dürfen. Regelmäßige Sportleistungstest sollen stattfinden. Dies soll auch für die Beschäftigten des Justizvollzugs gelten.
  • Wir sprechen uns für eine bessere Gesundheitsbetreuung bei der Polizei aus. Die Anzahl an Polizeipsychologen soll erhöht werden.
  • Großeinsatzlagen müssen öfter trainiert werden, um mehr Routine und Sicherheit in die nötigen Abläufe zu bringen.
  • Die Jungen Liberalen fordern die Landesregierung auf eine umfangreiche Statistik über die Interventionszeit der Landespolizei zu führen, wie sie beispielsweise in Sachsen-Anhalt schon üblich ist. Ferner setzen wir für die Einführung einer Hilfsfrist bei der Landespolizei ein. Für alle Einsätze soll die maximale Interventionszeit der Polizei an die gesetzliche Interventionszeit des Rettungsdienstes angepasst werden. Diese Hilfsfrist soll perspektivisch und nach und nach eingeführt werden. Jeder Bürger und jede Bürgerin, egal ob auf dem Land oder in der Stadt, soll im Notfall auf eine schnelle Polizei zählen können. Eine Hilfsfrist ist somit ein eignetes Instrument der Qualitätskontrolle bei der Polizei. Zudem können so Streifen, Dienststellen und der Personalbedarf besser geplant werden.
  • Distanzelektroimpulsgeräte (aka „Taser“) dürfen in Niedersachsen aktuell nur bei SEK-Einsätzen verwendet werden. Das SEK darf hierbei nur unter den engen Voraussetzungen der §§ 69 ff. NPOG auf den Taser zurückgreifen. Der Einsatz ist somit ausdrücklich auf solche Fälle beschränkt, bei denen durch den Gebrauch des Tasers die Anwendung von anderen Waffen vermieden wird. Zudem darf außer in Fällen der Notwehr und Nothilfe das Gerät nicht gegenüber Kindern eingesetzt werden. Bei erkennbar schwangeren Frauen, herzvorgeschädigten Personen oder bei Personen unter Drogeneinfluss wird aus vorbeugenden Gründen auf den Einsatz verzichtet. Wir unterstützen diese engen Einsatzvoraussetzungen angesichts erhöhter Gesundheitsrisiken. Trotzdem können Taser eine sinnvolle Ergänzung des alltäglichen polizeilichen Maßnahmenkoffers sein und stellen eine nicht-letale Alternative zu Schusswaffen dar. Insbesondere legen Studien nahe, dass bereits die Androhung seines Einsatzes deeskalierend wirken kann. Die maßgebliche Begründung der ablehnenden Haltung des Niedersächsischen Innenministeriums, der „hohe Trainingsaufwand“ für den Umgang mit dem Taser und die „eventuelle Wirkungslosigkeit“, läuft insoweit ins Leere. Ein solches Argumentationsmuster ist angesichts der gegenwärtigen, nachgewiesenen erfolgreichen Einsätzen entlarvend und zeigt die Notwendigkeit liberaler Innenpolitik auf. Wir fordern daher, Taser – unter den aufgezeigten engen Einsatzvoraussetzungen – auch für Streifenpolizisten zuzulassen und mindestens jeden Streifenwagen mit einem Taser auszustatten.
  • Oft ist die Polizei als erste am Einsatzort und damit auch Ersthelfer. Gerade im Hinblick auf Gefahren- und Terrorlagen sind Polizistinnen und Polizisten mit teilweise Schwerverletzen konfrontiert. Als Junge Liberale fodern wir deshalb den Einsatz und die Schulung der sog. „Ulmer Box“ oder einem Äquivalent. Diese Box ist ausgestattet mit einem Druckverband und Tourniquet, welche lebensgefährliche Blutung stoppen können. Damit kann die Polizei Menschen retten, die sonst bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sterben.