Roland Koch, das ZDF und der Parteiproporz Teil 2

Meinungspluralismus ist etwas, dass gerade in liberalen Kreisen gute Tradition hat, weswegen ich meine doch deutlich von Veronys hier geposteten Meinung abweichende Standpunkte zu diesem Thema zum Besten geben will.

Zunächst: Auch ich finde es überflüssig, dass sich Roland Koch (und andere) in die Personalpolitik des ZDF einmischen muss. Meine Empörung darüber hält sich allerdings in Grenzen: Das Phänomen ist schließlich nicht neu und das ZDF wahrlich nicht unabhängig und frei, ebensowenig wie das bei der ARD jemals der Fall war.
Das merkt man auch immer wieder, zum Beispiel an den saublöden Debatten im Umfeld der Tour de France und des Dopingproblems. Damals sah sich so ungefähr jeder Politiker genötigt, seine Meinung dazu abzugeben und den Staatssendern zu empfehlen, die Tour zu übertragen oder auch nicht. Als würde nicht die Quote diese Frage ohnehin irgendwann klären, es soll doch schließlich der Zuschauer sein, der entscheidet, was er sieht.
Es ist schon sehr auffällig, dass bei ARD und ZDF diverse Politgrössen ständig ins Programm reinreden, während sie dass bei RTL oder Pro7 nur in absoluten Ausnahmefällen tun – und dann auch nur, um sich entweder wichtig zu machen oder weil sie grade wieder eine neue Chance gewittert haben, staatliche Medienzensur verschärfen zu können.
Die vermeintliche Unabhängigkeit staatlicher Medien ist ein Mythos. Die ständigen Einmischungsversuche sind systembedingt, denn diese Versuche gelingen eben ab und zu auch mal und wir wissen doch alle, dass Politiker die Macht, die man ihnen gibt, selbstverständlich auch in ihrem Sinne auszunutzen wissen.
Zur Qualität von „Heute“ sei gesagt, dass die in der Tat hoch ist – es sei denn, es geht zum Beispiel um so Themen wie den Gebühren fürs Öffentlich-Rechtliche Fernsehen. Dann wird die Berichterstattung schlagartig dünner und unkritischer. Niemand kann genau sagen, ob nicht ein ähnlicher Effekt auch in politischen Fragen, wenn auch weniger offensichtlich, vorhanden ist. Denn klar ist auch: Im Verwaltungsrat des ZDF sitzen im Grunde nur Vertreter der beiden großen Parteien. Ob so ein Organ jemals willens und in der Lage sein wird, mit seinen Personalentscheidungen eine unabhängige Berichterstattung auf die Reihe zu kriegen, möchte ich mal stark bezweifeln.
Ich bin der Meinung, dass wir eine solche Unabhängigkeit, gerade in politischen Fragen, schlicht nicht von staatlichen Rundfunkanbietern erwarten sollten. Wer wirklich unabhängige Berichterstattung will, der müsste erstmal den staatlichen Rundfunk abschaffen. In Zeiten, in denen sich mit jedem besseren Handy im Prinzip eine Nachrichtensendung produzieren liesse, die dank des Internets sogar auf einfachste Weise auf Sendung gehen könnte, wird man sich so schnell auch keine Sorgen um zu wenig Nachrichten machen müssen.
Und einen wesentlichen Grund, weshalb es zwischen „Heute“ und „Tagesschau“ und den Nachrichtensendungen der privaten Sender ein gewisses Qualitätsgefälle gibt, sollten wir auch nicht aus den Augen verlieren: Welcher private Investor steckt sein Geld denn schon in ähnlich hochwertige Nachrichtensendungen, wenn es mit ARD und ZDF zigmilliardenschwere bestens etablierte Platzhirsche gibt, die ihre Sache ja von den wenigen oben genannten Ausnahmefällen so schlecht nicht machen?
Kein Investor schmeisst sein Geld gerne zum Fenster raus. Dass da dann mehr Geld in Blockbuster und seichtere Unterhaltung gesteckt wird, als in Nachrichten, ist irgendwo auch eine Folge des üppig ausgestatteten Staatsfernsehens, dass mehr kostet, als die meisten Menschen zum Beispiel für freiwilliges Pay-TV auszugeben bereit wären.